{"id":8038,"date":"2024-03-07T20:45:05","date_gmt":"2024-03-07T19:45:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/de\/?p=8038"},"modified":"2024-03-07T21:59:20","modified_gmt":"2024-03-07T20:59:20","slug":"demokratische-standards-und-konflikte-in-kulturzentren-und-unserer-gesellschaft-ein-statement-zur-kulturellen-und-gesellschaftlichen-auseinandersetzung-soziokultureller-orte-zum-feministischen-protes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/2024\/03\/07\/demokratische-standards-und-konflikte-in-kulturzentren-und-unserer-gesellschaft-ein-statement-zur-kulturellen-und-gesellschaftlichen-auseinandersetzung-soziokultureller-orte-zum-feministischen-protes\/","title":{"rendered":"Demokratische Standards und Konflikte in Kulturzentren und unserer Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Statement zur kulturellen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung soziokultureller Orte und R\u00e4ume zum feministischen Protesttag am 8. M\u00e4rz in Leipzig<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Der 8. M\u00e4rz steht auch aus Sicht soziokultureller Zentren f\u00fcr einen feministischen Protesttag, um die Rechte von Frauen, wie Lesben, inter, nicht-bin\u00e4re, trans und agender Personen einzufordern &#8211; kurzum: All rights for all FLINTAQ*!<\/p>\n<p>Im Jahr 2024 ist weder in der deutschen Gesellschaft noch weltweit eine umfassende Gleichstellung oder Freiheit f\u00fcr alle Lebensentw\u00fcrfe erreicht. Im Gegenteil: Im Zuge des Erstarkens rechtspopulistischen und rassistischen Gedankenguts sind r\u00fcckl\u00e4ufige Tendenzen hinsichtlich der Rechte von FLINTAQ* zu beobachten.<\/p>\n<p>In unseren soziokulturellen Zentren und Kulturorten verhandeln wir solche und andere Themen und bieten R\u00e4ume f\u00fcr Veranstaltungen und Treffen unterschiedlichster Gruppen und Szenen. Wir bieten auch Schutz vor Gewalt und verstehen uns als M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume f\u00fcr emanzipatorische Ausdrucksweisen und Projekte. Doch aktuell sind wir mit einer politischen Lage konfrontiert, die aus unserer Sicht eine Notwendigkeit erzeugt, sich hier zu positionieren.<\/p>\n<p>Die Situation rund um gesellschaftlich engagierte Gruppen hat zunehmend Auswirkungen auf unsere Arbeit. Um diese Probleme aufzuzeigen und unsere Auseinandersetzung damit auch au\u00dferhalb unserer H\u00e4user zu tragen, positionieren wir uns im Folgenden anhand der Entwicklung um das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.8mleipzig.org\/\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.8mleipzig.org\/\">8. M\u00e4rz B\u00fcndnis<\/a>, das unter dem Motto \u201eFeministisch K\u00e4mpfen jetzt!\u201c zu Programm und Protesten rund um den Internationalen Frauentag aufruft und diese Proteste organisiert.<\/p>\n<p>Leider ist dieses B\u00fcndnis von problematischen politischen Gruppen gepr\u00e4gt und \u00fcbernommen worden. Und diese Gruppen pr\u00e4gen massiv das Programm um den zentralen Tag am 8. M\u00e4rz. Einige Initiativen haben deshalb zwei neue B\u00fcndnisse gegr\u00fcndet und rufen zu einer <a href=\"https:\/\/www.frauenkultur-leipzig.de\/media\/demo-aufruf_8-_maerz_2024.pdf\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/www.frauenkultur-leipzig.de\/media\/demo-aufruf_8-_maerz_2024.pdf\">Demo<\/a> und einer <a href=\"https:\/\/knack.news\/8718\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/knack.news\/8718\">Kundgebung<\/a> auf. Andere Strukturen wie die M\u00fchlstra\u00dfe 14 e.V. oder die Cin\u00e9math\u00e8que Leipzig haben sich mit ihren Programmpunkten bewusst aus dem Programm zur\u00fcckgezogen \u2013 um nicht mit diesen Gruppen in inhaltliche oder strukturelle N\u00e4he gebracht zu werden.<\/p>\n<p><strong>Roll-Back von Gruppen in der politischen Szene Leipzigs<\/strong><\/p>\n<p>Doch diese problematischen Gruppen sind nicht erst in diesem Fall aktiv geworden. In Leipzig hat sich in den letzten Jahren leider eine Szene dieser Gruppen entwickelt, die f\u00fcr sich selber in Anspruch nimmt, eine\u00a0linke, emanzipatorische\u00a0und solidarische Weltordnung zu vertreten und diese propagiert. Jedoch ist das\u00a0Gegenteil der Fall. Sie agieren autorit\u00e4r bis stalinistisch organisiert, orientieren sich an Symbolen und Inhalten einer gewaltvollen Geschichte und sind intransparent in ihren Strukturen. In ihren Inhalten sind viele exklusiv solidarisch, beispielsweise mit pal\u00e4stinensischen Positionen, die bis hin zur Verharmlosung und Verteidigung der Hamas und anderen terroristischen und antisemitischen Gruppen reichen.<\/p>\n<p>Das sind aus unserer Perspektive keine emanzipativen und fortschrittlichen Positionen, weshalb diese auch kein Raum im Rahmen von Demos f\u00fcr einen feministischen 8. M\u00e4rz und in unseren Kultureinrichtungen haben sollten. Solche Positionen geh\u00f6ren nicht zum demokratischen Spektrum, mit dem wir verhandeln und diskutieren wollen.<\/p>\n<p><strong>Der 7. Oktober 2023 als ein Wendepunkt f\u00fcr Soziokultur<\/strong><\/p>\n<p>Dazu kommt, dass dieses Jahr der 8. M\u00e4rz auf den 7. Oktober 2023 folgt, dem verheerendsten Angriff auf j\u00fcdisches Leben seit 1945. Wir folgen hier einem Teil des Aufrufs des <a href=\"https:\/\/knack.news\/8718\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/knack.news\/8718\">B\u00fcndnisses <\/a><strong><a href=\"https:\/\/knack.news\/8718\" data-cke-saved-href=\"https:\/\/knack.news\/8718\">Emanzipatorischer 8. M\u00e4rz<\/a>: <\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Angriff der radikalislamistischen Terrororganisation Hamas und unterst\u00fctzenden Vereinigungen auf das Nova-Musikfestival und umliegende Kibbuze war nicht nur ein antisemitischer, sondern auch ein gezielt misogyner Angriff auf Frauen und auf freiheitliches Leben. Die 134 Geiseln, die sich noch immer in Gefangenschaft befinden, \u2013 nicht nur die Frauen \u2013 sind dieser Gewalt noch immer ausgesetzt. Wir m\u00f6chten den 8. M\u00e4rz nutzen, um die sofortige Freilassung aller Geiseln zu fordern! <strong>#bringthemhomenow<\/strong>&#8221;<\/p>\n<p>Gleichzeitig wollen wir uns mit den zivilen Opfern in Gaza genauso solidarisch zeigen und unsere Betroffenheit ausdr\u00fccken: \u201eWir fordern ein Ende des Leids der pal\u00e4stinensischen Zivilbev\u00f6lkerung unter dem Krieg in Gaza und der Herrschaft islamistischer Gruppen und trauern um die bisher \u00fcber 20.000 get\u00f6teten Zivilist*innen. Auch auf pal\u00e4stinensischer Seite sind es vor allem Frauen, die die Leidtragenden darstellen. Wir k\u00f6nnen kein gemeinsames Ziel mit antiemanzipatorischen Kr\u00e4ften ausmachen, die Zivilist*innen bewusst als menschliche Schutzschilde nutzen.\u201c Doch solche gemeinsame und geteilte Solidarit\u00e4t ist in Leipzig nicht der Standard.<\/p>\n<p>Kritik an der israelischen Reigerung kann hingegen ge\u00e4u\u00dfert werden \u2013 genau wie Kritik an der d\u00e4nischen Regierung, der Regierung von Malaysia, von Australien, der Regierung von Island, Deutschland oder Argentinien. Der einseitige Fokus auf Nahost und Israel ist nicht nur anstrengend, er ist auch problematisch.<\/p>\n<p>Die israelische Regierung unter Nethanjahu ist selbst Teil eines Roll-Backs, der in vielen Gesellschaften zu beobachten ist, nicht nur im sogenannten \u201eWesten\u201c. Dies ist zu thematisieren und zu diskutieren, scharf zu verurteilen. Aber die Beurteilung h\u00f6rt dort auf, wo Doppelstandards gegen\u00fcber Israel stark gemacht werden, wo eine D\u00e4monisierung von Israel und den Juden und J\u00fcdinnen erfolgt und eine Delegitimierung der Existenz dieses Staates immer wieder versucht wird. Vor oder nach dem 7. Oktober, wird dieses Existenzrecht nicht verhandelt.<\/p>\n<p>Wir sind sehr irritiert: Wer f\u00fcr Frauenrechte, Rechte von Queers und Transpersonen auf die Stra\u00dfe geht, kann wohl kaum einen Bogen spannen zu antifeministischen und queerfeindlichen Strukturen wie Hamas, Islamischer Djihad, Hisbollah, dem Mullah Regime in Iran etc. Aber genau das passiert auch in diesen Gruppen und damit auch im B\u00fcndnis 8. M\u00e4rz.<\/p>\n<p>Diese problematischen politischen Gruppen negieren Menschenrechte. Sie schlie\u00dfen B\u00fcndnisse mit reaktion\u00e4ren Gruppen in Leipzig und dar\u00fcber hinaus. Das ist eine Sackgasse in Autoritarismus, Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit und eine Gesellschaft jenseits von Freiheit und Demokratie, Emanzipation und Empowerment.<\/p>\n<h2><strong>Fazit: Soziokultur und Aktivismus in Zeiten multipler Krisen<\/strong><\/h2>\n<p>Die Demokratie steht nicht nur in Deutschland unter Beschuss. \u201eWir werden zunehmend mit dem Ausma\u00df an globalen Konflikten konfrontiert. Wir alle sp\u00fcren die polarisierenden Auswirkungen, nicht nur am Rande der Gesellschaft, sondern auch in ihrer Mitte, derzeit besonders deutlich durch einen alarmierenden Anstieg des Antisemitismus. Die Normalisierung nationalistischer Ideologien im ganzen Land ist besorgniserregend. Ebenso erschreckend ist die Tendenz, nicht demokratische Parteien in Landtage einziehen zu lassen.\u201c (Ellen Ahbe, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Bundesverband Soziokultur)<\/p>\n<p>In Leipzig und in Sachsen sind wir als Gesellschaft und als soziokulturelle Akteure nicht nur mit rassistischen Parteien und neonazistischen Strukturen konfrontiert. Die immer wieder versuchten und erfolgten \u00dcbernahmen von B\u00fcndnissen, wie zum Beispiel\u00a0dem Gedenken an die rassistischen Morde in Hanau (im Jahr 2023), die Raum(\u00fcber)nahme von linken Orten, die Versuche, in unseren R\u00e4umen Veranstaltungen durchzuf\u00fchren oder Kooperationen zu schlie\u00dfen \u2013 dies alles geh\u00f6rt zur lokalen Auseinandersetzung in Leipzig und ist eine Herausforderung f\u00fcr uns als kulturelle Akteure.<\/p>\n<p>Denn sp\u00e4testens mit dem 07. Oktober 2023 hat sich auch eine Neubewertung von demokratischen Handlungsr\u00e4umen entwickelt. Deshalb ist die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Rassismus\u00a0sowie die Vermittlung in zugespitzten gesellschaftlichen Konflikten dringlicher denn je.<\/p>\n<p>Deshalb meinen wir auch: \u201eGemeinschaftliche Verortung beginnt an einem gemeinsamen Ort. Soziokulturelle Zentren sind Orte der Selbsterm\u00e4chtigung und des st\u00e4ndigen Dialogs. Als dritte Orte sind sie offen zug\u00e4nglich f\u00fcr alle und laden ein zu Begegnung und Kommunikation.\u201c (Ellen Ahbe)<\/p>\n<p>Wir wollen diese Orte sein, wo Konflikte bearbeitet werden, wo es offene und auch gesch\u00fctzte R\u00e4ume f\u00fcr kontroverse wie konsensuale Auseinandersetzungen gibt. Die Standards unserer Selbstverst\u00e4ndnisse und der demokratischen und menschenrechtsorientierten Grundlagen dieser Gesellschaft sind daf\u00fcr die Basis \u2013 und diese sind nicht verhandelbar.<\/p>\n<p>Demokratie und Emanzipation geh\u00f6ren f\u00fcr uns zusammen. Umfassende Rechte von FLINTAQ* geh\u00f6ren zu den Grundbedingungen f\u00fcr das Erreichen eines demokratischen Mindeststandards. Deshalb ist auch in dieser Gesellschaft noch viel zu tun.<\/p>\n<p>P\u00f6ge-Haus e.V. und M\u00fchlstrasse 14 e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Statement zur kulturellen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung soziokultureller Orte und R\u00e4ume zum feministischen Protesttag am 8. M\u00e4rz in Leipzig Der 8. M\u00e4rz steht auch aus Sicht soziokultureller Zentren f\u00fcr einen feministischen Protesttag, um die Rechte von Frauen, wie Lesben, inter, nicht-bin\u00e4re, trans und agender Personen einzufordern &#8211; kurzum: All rights for all FLINTAQ*! Im Jahr&#8230; <a class=\"view-article\" href=\"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/2024\/03\/07\/demokratische-standards-und-konflikte-in-kulturzentren-und-unserer-gesellschaft-ein-statement-zur-kulturellen-und-gesellschaftlichen-auseinandersetzung-soziokultureller-orte-zum-feministischen-protes\/?last_page_project=&#038;last_page_projectID=\">View Article<\/a>","protected":false},"author":14,"featured_media":8042,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-8038","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8038","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8038"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8038\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8042"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8038"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8038"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.xn--pge-haus-n4a.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8038"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}