März 2018 | Aus aktuellem Anlass – Persönlicher Standpunkt und Newsletter Editorial Extended

[Dieser Beitrag ist eine Meinung einer Einzelperson aus dem Haus und spiegelt nicht die Vereins- oder Hausmeinung wider]

Yuppie Träume und Dreck am Stecken vs. Die Freiheit die wir uns nehmen

Immer mal wieder wird unser Haus mit wunderbaren Tags und Sprüchen verziert. Ich erinnere mich noch an den Spruch „Je sauberer die Wände desto höher die Mieten“, der bis heute unser „Herrenklo“ mit Wahrheit erfreut. Aktuell gibt sich die Spitze der Emanzipation und Kritik die Klinke an unser Haustür: Zwei Mal gleich wird der Spruch „Yuppie F…“ getaggt.

Denn was für eine wunderbare Kritik tritt uns hier gegenüber: Sexistischen Mist absondern ist ja schon die Krönung der Schöpfung. Muss Mensch erst mal hinbekommen. Zusätzlich noch mit dem Klassismus-Hammer draufhauen. Saniertes Haus, nette Außenwand, komische Kunst- und Kulturprojekte – das kann ja nur „Yuppie“-Scheiß sein. Dafür sorgen schon die fünf SUVs, die wir hier im Haus fahren. Von Einkommen unserer Hausbewohner_innen und Eigentümer_innen ganz zu schweigen. Wir wissen wirklich nicht, wohin mit all dem Reichtum.

Deshalb haben wir uns hier auf über zehn Jahre verschuldet und zahlen Monat für Monat unsere Raten ab. Deshalb ist das Durchschnittseinkommen in diesem Haus vermutlich gar nicht so viel über dem dieses Stadtteils – vorausgesetzt, die Hausverzierer_innen kennen solche Statistiken und Fakten überhaupt. Aber es spielt sowieso keine Rolle, was Fakten sind und welche Möglichkeiten sich bieten würden, wenn es z.B. eine Kritik auf Augenhöhe geben würde.

Denn ich wäre der Letzte, der sich vor guter und nachvollziehbarer Kritik wegducken würde – im Gegenteil: Kommt doch mal vorbei und redet mit uns, wenn Formate, Außendarstellung oder was auch immer nicht stimmen. Denn Irritation und auch radikale Kritik kann für uns letztendlich nur lehrreich sein – anhören und in eine Debatte darüber kommen – ja, das wäre in meinem und auch im Vereinsinteresse. Aber diese Kritik sollte auch in einem Zusammenhang stehen, mit bestimmen Standards solidarischem Zusammenlebens und einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe. Sexismus und falscher Klassismus sind es bestimmt nicht.

Und auch wenn ein Gedanke zu solchen Tags – und auch zu dem Dreck, der immer mal wieder unseren Eingang verschönert – sein könnte: Abducken und im Nichts auslaufen lassen. Nein, das ist mir manchmal zu einfach. Ich finde es wichtig zu sagen: Wir haben die Möglichkeit, hier unser eigenes Ding zu machen, im Haus und Verein. Mit dem Anspruch, ein soziales und kulturelles Zentrum im Stadtteil von und für alle zu sein. Für solche die Bock darauf haben undChancen sehen, hier mitzugestalten, und wie wir Leben wollen. Und zudem ein Projekt umzusetzen, dass Leuten die Möglichkeit gibt, für gut fünf EURO Warmmiete Atelierräume für ihre Projekte und Selbstverwirklichungsideen bereitzustellen. „Jenseits von cool raus aus Selbstmitleid“ (Kettcar), das war schon immer eins meiner Lebensmotto – das auch ganz gut zum Pöge-Haus passt.

Genauso unsere Vermietungspolitik: Wir können uns eine soziale Vermietungspolitik leisten – und wollen das auch. Leute die kein oder wenig Geld für Raummieten haben, finden bei uns einen Platz für Plena und andere Projekte. Aber wir sind – herrliches Klischee – auch nicht die Heilsarmee.Wir müssen auch unsere Kredite und Darlehen abbezahlen. Deshalb bezahlen Institutionen, Stiftungen oder kommerzielle Einmietungen halt eine normale Raummiete. So läuft der Laden, und er läuft gerade richtig gut und wir erfreuen uns über die Projekte, die wir selber an den Start bringen (wie beispielsweise den „Hafen der Stadt“, der gerade vorbei ist) oder extern bei uns stattfinden. Wir freuen uns über viel Publikumszuspruch, über Kritik und Zustimmung.

Und was irgendwann als mittelfristige Perspektive einer rosigen Zukunft hinzukommt: Wenn das Haus seine Ausstände abgezahlt hat, können wir mit Freude und Fröhlichkeit unsere Ideen und Projekte umsetzen! Die Spielwiese Pöge-Haus kann dann noch breiter und grenzenloser zum „austoben“ genutzt werden – gerne mit Ihnen und Euch als Partner_innen und Ideengeber_innen. Die Sprüche und komischen Anwandlungen sind da vielleicht schon verblasst oder vergessen …

Stefan Kausch [der Beitrag wurde am 17.03. bearbeitet]